Mit dem Projekt „Ökologischer Korridor Südbrandenburg“ sucht die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg exemplarische Lösungen für drei Herausforderungen:
- die Zerschneidung von Landschaft durch eine dichte Verkehrsinfrastruktur,
- die Sicherung der Rückzugsfunktionen von Wildnisgebieten für störungsempfindliche Tierarten und
- die wahrscheinliche Verschiebung von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere durch
den Klimawandel
Die Landschaft, in der nach Gestaltungsmöglichkeiten für diesen Korridor gesucht wird, erstreckt sich südlich des Ballungsraumes Berlin zwischen der Oder im Osten über den Hohen Fläming bis zur Elbe im Westen. Sie wird wirtschaftlich überwiegend intensiv genutzt. Allerdings finden sich einige größere und kleinere Inseln, in denen sich die Natur weitestgehend ungestört entwickeln kann. Es sind oftmals Teile ehemaliger Truppenübungsplätze, zuweilen auch Flächen in Bergbaufolgelandschaften sowie Naturwälder und Naturwaldzellen. Manchmal haben sie den Status von ausgewiesenen Schutzgebieten. Diese Inseln tragen schon heute in weiten Bereichen Wildnischarakter und bieten seltenen Tier- und Pflanzenarten einzigartige Lebensräume. Aufgeschlossenen Besuchern erschließen sich unvergleichliche Möglichkeiten der Naturbeobachtung.

Die Insellage der betreffenden Flächen birgt allerdings auch
Gefahren, vor allem für Säugetiere. Deren Populationen beanspruchen von
Natur aus größere Lebensräume, als die zwischen viel befahrenen Straßen
und Schienen gelegenen Inseln ihnen bieten können. Durch die
Zerschneidung der Landschaft werden die gewohnten Wildwechsel und
Wanderwege unterbrochen. Die Folge sind nicht nur viele Wildunfälle mit
Personen- und Sachschäden auf den Straßen, auch der genetische
Austausch zwischen den Populationen wird erschwert. Die isolierten
Tiere sind anfälliger für Krankheiten und ihre Populationen sind
weniger regenerationsfähig.
Eine effektive Vernetzung der Wildnisareale in einem ökologischen
Korridor kann diesen Gefahren begegnen. Technische Querungshilfen wie
Grünbrücken und Tunnel, die über die Verkehrsinfrastruktur hinweg oder
unter ihr hindurchführen, aber auch Heckenpflanzungen, renaturierte
Gewässerrandstreifen und mit den Land- und Forstwirten abgestimmte
Landnutzungen können den in ihrem Bestand bedrohten Tierarten die
notwendigen Wege durch die Kulturlandschaft eröffnen und Elemente in
einem großräumigen Biotopverbund sein.
Der Ökologische Korridor soll zukünftig die wenigen weitgehend unzerschnittenen Landschaftsräume in dieser Region miteinander verbinden. Den heimischen Wildtieren wie Rothirsch, Fischotter und Biber – wichtigen Leitarten für das Projekt – werden so Wege durch die Kulturlandschaft eröffnet. Aber auch Rückkehrern wie dem Wolf soll das Einwandern in diese neuen Wildnisgebiete ermöglicht werden. Mit der ökologischen Vernetzung dieser Flächen, die über Wälder sowie Gewässer und Niederungen erfolgen soll, leistet der Korridor einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Mitteleuropa.


Eine sinnvolle ökologische Vernetzung der vorhandenen Wildnisareale
steht im Mittelpunkt des Ökologischen Korridors Südbrandenburg. In
diesem Zusammenhang spielen die vorhandenen Naturschutzgebiete in der
Region eine wichtige Rolle, es wird jedoch kein neues
Naturschutzgebiet, geschweige denn ein weiteres Brandenburger
Großschutzgebiet mit diesem Projekt entstehen.
Die Arbeit an
diesem außergewöhnlich großen Naturschutzprojekt ist in zwei Abschnitte
gegliedert. Bis Mitte 2009 laufen die planerischen Vorbereitungen, um
den optimalen Verlauf des Ökologischen Korridors zu ermitteln und
gemeinsam mit den Landnutzern und Naturschutzbehörden vor Ort sowie den
entsprechenden Landesministerien die generelle Durchführbarkeit des
Projektes zu erörtern. Wo es möglich ist, sollen in dieser Zeit in
Abstimmung mit den Biotopverbundplanungen der Landkreise und des Landes
Brandenburg auch erste kleine Initialmaßnahmen für den Aufbau des
ökologischen Korridors angeregt und durchgeführt werden.
Zum Ende der Vorbereitungsphase erfolgt eine eingehende Bewertung des
Projektes auf seine praktische Umsetzbarkeit hin. Können gegen den
Ökologischen Korridor Südbrandenburg keine gravierenden
Hinderungsgründe vorgebracht werden, startet die praktische Umsetzung,
wofür eine gut zwanzigjährige Projektlaufzeit angenommen wird. Die
Zielsetzung des zwanzigjährigen Gesamtprojekts ist die Etablierung
eines ersten deutschen Korridors in Südbrandenburg, der großräumige
Wildnisgebiete miteinander vernetzt und eine länderübergreifende
ökologische Kohärenz herstellt.
Gefördert durch: