
Vom Engagement der Heinz Sielmann Stiftung, letzte Rückzugsgebiete seltener Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und – wo immer es ohne Nachteile für die geschützten Lebensräume einzurichten ist – vor allem Kinder und Jugendliche für diese besonderen Werte der Natur zu begeistern, profitiert der Naturschutz in Brandenburg in mehrfacher Weise: Mit den Sielmanns Naturlandschaften Groß Schauener Seen, Wanninchen und Döberitzer Heide ist es gelungen, drei ebenso verschiedene wie für den Süden Brandenburgs repräsentative Lebensräume zu sichern. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die Heinz Sielmann Stiftung das Projekt „Ökologischer Korridor Südbrandenburg“ als Kooperationspartner der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg mit auf den Weg gebracht hat. In weiten Bereichen der Sielmanns Naturlandschaften soll die Natur sich selbst überlassen bleiben und in ihrer Dynamik ungestört entwickeln können. Dazu gehört eben auch, dass Tier- und Pflanzenarten in diese Lebensräume ein- und auswandern können. Eine Vernetzung der Naturlandschaften beider Stiftungen lag da auf der Hand, denn Stiften hat eben auch mit Anstiften zu tun.
Die Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen liegt im engeren
Untersuchungsgebiet für den Ökologischen Korridor Südbrandenburg. Sie
gehört zur Tagebaufolgelandschaft Schlabendorfer Felder, die sich
südlich der Stadt Luckau im Landkreis Dahme-Spreewald und ganz in der
Nähe des Spreewaldes befindet. Insgesamt 3.000 Hektar Fläche hat die
Stiftung hier erworben. Durch den Braunkohletagebau ist auf den
stillgelegten Kippenflächen eine junge Landschaft mit sehr rohen,
nährstoffarmen Böden entstanden. Hier laufen quasi im Zeitraffer
Prozesse ab, die in ihrer Dynamik an die letzte Eiszeit erinnern. Das
ist der besondere Wert dieser Landschaft. In der umliegenden
Kulturlandschaft ist das Land durch Nährstoffüberfluss gealtert.
Durch Bodenerosion, natürliche Sukzession und vor allem aber auch durch
den Grundwasserwiederanstieg in den so genannten Restlöchern entstehen
hier naturnahe Lebensräume für seltene Spezialisten wie Kreuzkröte oder
Sandohrwurm, nicht zuletzt für stark gefährdete Vogelarten wie
Wiedehopf und Uferschwalbe, Schellente, Grauammer oder Raubwürger.

Die Bergbaufolgelandschaft ist eine Nische für nährstoffarme Biotope und Arten. Ob Waldflächen, Seen oder Niederungen, die meisten dieser Lebensräume sind temporärer Natur, da sich die Landschaft unentwegt durch die natürliche Sukzession sowie noch notwendige Sanierungstätigkeit verändert. Nicht wenige der für die Naturschützer interessanten Arten wandern von hier aus wieder in die angrenzende Kulturlandschaft ein und bereichern dort das Arteninventar.
Das Problem der Verknüpfung von ökologisch wertvollen Flächen kennt
die Heinz Sielmann Stiftung aus ihrem eigenen Bestand: Die 3.000 Hektar
der Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen verteilen sich auf zwei
ehemalige Tagebauflächen, die durch eine stark frequentierte
Landesstraße von der A 13 nach Luckau getrennt sind. Noch verbindet ein
Korridor die beiden Teilflächen, der sich entlang der alten
Grubenausfahrt des Tagebaus Schlabendorf Süd, unter der Landesstraße
L52 hindurch hinüber nach Schlabendorf Nord zieht. Gegenwärtig wird er
wohl hauptsächlich von Schwarz- und Rehwild genutzt. Eigentlich muss
die Verbindung im Rahmen der Bergbausanierung zurückgebaut werden, sie
könnte aber erhalten und vielleicht sogar unter ökologischen
Gesichtspunkten ausgebaut werden, wenn sich ein Träger für sie findet,
der sie mit allen Rechten und Pflichten in sein Eigentum übernimmt. Der
Naturschutz vor Ort wird das allein wohl nicht stemmen können. Im
Kleinen steht die Sielmann Stiftung hier also vor demselben Problem,
wie das Projekt „Ökologischer Korridor Südbrandenburg“ im Großen.
„Wir müssen die ökologisch wertvollen Bereiche verbinden und sie so aufwerten, dass vor allem Tierarten, aber auch Pflanzenarten ein- und abwandern können“, sagt der Leiter der Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen Ralf Donat. Die elementaren Trittsteine nach dem Muster klassischer Biotopverbünde sind ihm ebenso wichtig wie die raumübergreifend verbindenden Strukturen.
Neben den an vielen Orten nötigen Wildbrücken – die A 13
Berlin-Dresden ist fast komplett eingezäunt und kennt keine
Wildübergänge – muss sich der Blick auch auf die Vernetzung von
Gewässer und Niederungen richten. Der Biber steht kurz davor, den
weiteren Landschaftsraum hier zu besiedeln. In Lübben, Calau und
Lugkteich sind einzelne Tiere gestrandet. Es ist nur ein Tagesmarsch,
dann sind sie im Naturpark, aber noch gibt es zu viele Barrieren, die
seine Verbreitung erschweren.“ Der Biber ist als Wasserbaumeister in
unserer ausgetrockneten Landschaft, die eine natürliche
Wasserrückhaltung braucht, dringend nötig. 
Die Renaturierung der Dahme durch ihre naturnahe Ufergestaltung wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Dahme hat eine Schlüsselfunktion für die Anbindung des Raums an die Spree. Außerdem führt sie kein vom ph-Wert her saures Wasser, wie die meisten Gewässer in der Bergbaufolgelandschaft, die dadurch für die meisten Wasserbewohner schlechte oder gar keine Lebensbedingungen bieten. „Es braucht den Mut, auch große Dinge anzupacken“, meint Ralf Donat.
Kontakt:
Heinz Sielmann Naturparkzentrum Wanninchen
15926 Luckau – OT Görlsdorf
Telefon: 0 35 44 - 55 63 67
www.wanninchen.de