Wälder, vor allem ausgedehnte Kiefernwälder auf armem Standorten sind das prägende Element des knapp 600 km² großen Naturparks, der vor den Toren Berlins nahe Königs Wusterhausen beginnt und bis an den Spreewald reicht. Fast zwei Drittel der Naturparkfläche sind Wald, dagegen nehmen sich die etwas über 20 Prozent Äcker und Wiesen geradezu bescheiden aus. Es sind aber weder die Wälder noch das Offenland, die viele Besucher in die Landschaft ziehen, sondern die mehr als 100 Seen und das Fließgewässersystem der Dahme. Gemeinsam mit den in der Landschaft verteilten trockenen Lebensräumen wie Sandtrockenrasen, Heiden und Dünen, in denen das Logotier des Naturparks, der bis acht Zentimeter lange, maikäferähnliche Walker, lebt, bilden die Gewässer und Niederungen nicht nur einen in naturtouristischer Hinsicht attraktiven Kontrast, sondern mit den Röhrichten, Bruchwäldern, Mooren und Freuchtgrünländern auch sensible Lebensräume und Brutplätze unter anderem für Rohrdommel, Kranich und Seeadler, Fischadler und viele andere. Der Fischotter, der in den Gewässern des Naturparks ein wichtiges Reproduktionsgebiet hat, ist hier genauso zu finden wie der Biber, der derzeit über die Spree den Weg zurück in die Landschaft findet.
Dass nicht alle Wanderungen von Wildtieren erfolgreich sind und viel zu häufig auch im Naturpark mit dem Tod enden, wissen die ehemalige Leiterin des Naturparks Frau Gehring und ihr Mitarbeiter Hans Sonnenberg und arbeiten daher auch an Verbesserungen der Situation. Zum Beispiel an der zur Sielmann-Naturlandschaft gehörenden Groß Schauener Seenkette im Nordosten des Naturparks bei Storkow. Hier konnten die ortsansässigen Fischer dazu bewegt werden, in besonders sensiblen Gewässerbereichen auf die für den Fischotter gefährlichen Reusen zu verzichten. Dennoch ergeben sich aus dem Projekt Ökologischer Korridor Südbrandenburg offene Fragen. „Die Wildschadensproblematik ist ein Thema mit vielen Fragen“, so Frau Gehring, „auf die Antworten gegeben werden müssen. Was passiert, wenn mehr Wild in die Landschaft kommt, wer entschädigt die Wildschäden? Überhöhte Damwildbestände sind gebietsweise ein großes Problem.“ Man habe auch noch zu wenig Erfahrungen mit den Wanderungen großer Säugetiere, fügt Herr Sonnenberg an. „So ein ökologischer Korridor geht nur ganzheitlich. Wenn man einen Weg gewählt hat, wird er für viele Tiere offen sein. Da kann man eine problematische Art nicht einfach ablehnen.“ Welche Probleme für die heimische Tierwelt entstehen können, zeigten nicht zuletzt der aus Nordamerika stammende Mink, der den Iltis aus unserer Fauna verdänge, oder der ebenfalls vom nordamerikanischen Kontinent nach Europa eingewanderte Waschbär, der nicht nur in Datschensiedlungen die Gelben Säcke plündert, sondern auch vor Brutvogelgelegen keinen Halt mache, wie an einem See im Naturpark, wo er eine Reiherkolonie „systematisch“ geplündert hat.
Aber nicht die Skepsis überwiegt, vor allem werden die Chancen, die sich mit einem ökologischen Korridor auch für den Naturpark eröffnen können, gesehen. Von der Faszination, die für viele Mesnchen von großen Tieren, von Elch und Rotwild etwa, ausgeht, könnte auch die touristische Entwicklung profitieren. Diese Tiere im Naturpark zu haben, das wäre sicher kein negatives Image. Es gibt für die Biologin Gehring natürlich auch einen stichhaltigen ökologischen Grund, der für den Aufbau eines Wildkorridors spricht: der so wichtige Genaustausch der Arten auf natürlichem Wege. Und dies betrifft bei Weitem nicht nur die Großwildtiere, sondern genauso Lurche und Kriechtiere, Insekten, Fledermäuse und viele Arten mehr. Hierfür Strukturen zu schaffen ist dringend geboten, um den Bestand von widerstandsfähigen Populationen zu fördern. „Schafft man Akzeptanz für die bekannten Wechsel- und Verbindungswege, dann schafft man auch einen Weg für den Elch.“ Um dies zu erreichen, müssen die Nutzer der Landschaft mit ins Boot. Wo ereignen sich die meisten Unfälle, wo stellt sich das Wild ein? Das sind nur zwei Fragen, die besprochen werden müssten, bevor es an konkrete Lösungen vor Ort geht.
Dass Lösungen gefunden werden müssen, steht außer Frage. „Die Bundesautobahn A 13 ist wie eine große Trennwand inmitten der ausgedehnten Waldgebiete“, so Sonnenberg. Für ihn steht fest, dass die eingezäunten Autobahnachsen durchlässiger werden müssen. Das sei mit breiten Grünbrücken an den richtigen Stellen, über die das Rotwild ziehen kann, am besten zu lösen. Von schmalen Brücken hingegen hält er wenig, über die gehe nur der Wolf, nicht der Rothirsch oder der Elch. Hoch erfreut sind die Mitarbeiter des Naturparks darüber, dass gegenwärtig das Genehmigungsverfahren für den Bau einer Wildbrücke über die Autobahn A 13 südlich von Teupitz durchgeführt wird und die erste Grünbrücke im Naturpark bald Realität werde.
So wichtig der Aufbau eines ökologischen Korridors in Südbrandenburg für die Entwicklung der großen unzerschnittenen aber wie Inseln in der Kulturlandschaft liegenden Wildnisgebiete auch sei, im Naturpark Dahme-Heideseen ist die Entwicklung eines Biotopverbundes entlang der Dahme und der Seenketten, sowie die Erhaltung und Etablierung neuer so genannter Trittsteinbiotope inmitten der großen Forstgebiete die vordringliche Aufgabe.
Nicht wenige kleinere Grenzertragsstandorte würden neu oder wieder aufgeforstet und auch Feuchtgrünländer würden oft aus der Nutzung genommen, wodurch langfristig das historisch gewachsene Wechselspiel von Gewässern und Feuchtgebieten mit den an diese Nutzungen angepassten Arten gefährdet sei. „Wichtige Offenlandbiotope entlang der Dahmeniederung und insbesondere eine angemessene Wald-Offenland-Verteilung zu erhalten, das ist die Schwierigkeit.“
Auch auf die Dahme selbst sei unter dem Gesichtspunkt des
Biotopverbundes ein achtsames Auge zu werfen, so die beiden
Naturparkmitarbeiter. Nicht nur vom Quellgebiet im Niederlausitzer Landrücken
bis Märkisch Buchholz gäbe es einige Bereiche, deren Renaturierung die
Landschaft ökologisch aufwerten und die Vernetzung auquatischer und
semiauquatischer Lebensräume im Süden Brandenburgs voranbringen würde. Auch
flussabwärts von Märkisch Buchholz, wo die Dahme seit 100 Jahren als
Dahmeumflutkanal künstlich begradigt fließt und mit Spreewasser gespeist wird, gibt
es Handlungsbedarf.: Was früher aus Gründen der Hochwasserregulierung der Spree
und der Sicherung vor Hochwasserkatastrophen notwendig war, sei heute, wo in
der Spree oft das Wasser knapp ist, fragwürdig geworden. Vielleicht, so Frau
Gehring, lohne es sich vor dem Hintergrund steigenden Wassermangels daher darüber
nachzudenken, den Wasserrückhalt in der Landschaft zu verbessern, in dem der
historische Zustand der Dahme als Fluss wieder hergestellt wird. Dann würde das
Spreewasser, wie vor dem Bau des Dahme-Umflutkanals, den natürlichen – etwa 60
km längeren – Weg nehmen und flösse nicht so schnell aus der Landschaft. Bereits
jetzt seien einige Uferbefestigungen am Dahme-Kanal zwischen Märkisch Buchholz
und Prieros eingebrochen und diesen Stellen kleine Buchten entstanden, in denen
sich Bäume und Sträucher angesiedelt haben. Hier zeige sich, dass an
ursprünglich technisch ausgerichteten Kanälen wieder wertvolle Lebensräume
entstehen, wenn der Mensch dies zulässt. Diese Chance könnte vergeben werden,
wenn der Kanal für den motorisierten Wassertourismus ausgebaut würde. Viele
Freizeitkapitäne könnten so auf dem Weg ins gerade entstehende Lausitzer
Seenland eine Menge Zeit sparen. Das Fehlen einer Schleuse in Märkisch
Buchholz, die für den Motorbootverkehr nötig wäre, verhindert bisher solch ein
Projekt. Sollte es jedoch einmal umgesetzt werden, dann hätte es mit der
stillen Wiederaneignung des Dahme-Kanals durch die Natur ein Ende. Das wäre
sicher auch ein herber Verlust für den großräumigen Biotopverbund.
Das Gespräch wurde Anfang 2009 geführt und der Text im November 2009 aktualisiert.
Kontakt:
Naturparkverwaltung
Arnold-Breithor-Str. 8
15754 Heideseen, OT Prieros
Telefon: 0 33 76 8 - 96 90
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www.naturpark-dahme-heideseen.brandenburg.de
Besucherzentrum des Naturparks Dahme-Heideseen:
Burg Storkow
Schlossstraße 6
15859 Storkow
Telefon: 0 33 678 - 7 31 08
Öffnungszeiten:
Tourist-Information: Mo – So von 10–17 Uhr
Ausstellungen: Di – So von 10 – 17 Uhr (letzter Einlass: 16 Uhr)
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www.storkow.de