Im Gespräch mit Helmut Donath, dem Leiter des 1997 gegründeten Naturparks Niederlausitzer Landrücken
Als ein Land der Gegensätze wird der 587 Quadratkilometer große Naturpark im Nordwesten der Niederlausitz beschrieben. Die Höhen des Landrückens sind bewaldet, hier erstreckt sich eines der größten noch kaum zerschnittenen Waldgebiete Südbrandenburgs. Zwar dominieren Kiefernforsten, aber es finden sich auch besonders wertvolle Kiefern-Traubeneichenwälder. Rotwild ist wie das Reh- und Schwarzwild in den Wäldern nicht selten.
Sumpfige Niederungen
sind dem Höhenzug vorgelagert. Im Verbund mit den Fließgewässern und
den Fischteichen, die im Naturpark traditionell betrieben werden,
ergibt sich so ein geeigneter Lebensraum für den Fischadler. Die Teiche
bieten auch Habitatstrukturen für die in Baumhöhlen brütende
Schellente. Die Lebensbedingungen und Verbreitungschancen für den hier
heimischen Fischotter, der zu den in Mitteleuropa am stärksten
gefährdeten Säugetierarten zählt, könnten durch Otterpassagen und
weiträumige, auch die Uferzonen überspannende Brücken an Ottergewässern
verbessert werden.
Zahlreiche, meist kleine von Äckern und Wiesen umgebene Dörfer runden
das Bild der Landschaft im größten Teil des Naturparks ab.
Im Kontrast dazu stehen die Bergbaufolgelandschaften im Südosten des Naturparks. Oft wurden sie als „Mondlandschaften“ beschrieben, was sie im Zuge von Sanierung und Renaturierung des 1991 eingestellten Kohleabbaus längst nicht mehr sind. Durch die Flutung der Bergbaurestlöcher und den Wiederanstieg des Grundwassers sind sechs größere und etwa 30 kleinere Seen entstanden, die in den kommenden Jahren ihren endgültigen Wasserstand erreicht haben werden. In dieser postindustriellen Landschaft wieder naturnahe Abflussverhältnisse im Wasserhaushalt herzustellen, ist eine der wichtigen Aufgaben im Naturpark.
Die Dünen, Trockenrasen und Sandheiden auf ehemaligen Kippen bieten Lebensräume für Insekten wie die Schönschrecke oder Singvögel wie den Raubwürger sowie für eine ganze Reihe von seltenen Pflanzen. Der Feldhase findet hier ein Refugium.
Zukünftig könnte der Hase noch Gesellschaft bekommen.
Im
Naturschutzgebiet Wanninchen und in der Tornower Niederung sind mit
Hilfe der Heinz Sielmann Stiftung große Teile der
Bergbaufolgelandschaft der Schlabendorfer Felder aus der Nutzung
genommen worden und werden sich auch nach dem Ende der Tagbausanierung
weitgehend von Menschen ungestört entwickeln können. Hier könnten der
Goldschakal oder gar der Wolf in Zukunft einwandern und vielleicht gar
stabile Populationen bilden. „Der Goldschakal hat ähnliche
Lebensraumansprüche wie der Wolf, er ist nur etwas mehr an Offenland
gebunden“, meint Helmut Donath, der seit Jahrzehnten in der Landschaft
als ehrenamtlicher Naturschützer engagiert ist und den Naturpark seit
dessen Gründung leitet. „Um diesen beiden Arten das Einwandern zu
erleichtern, müssen Wege gefunden werden, die trennenden Elemente mit
großem Konfliktpotential wie Eisenbahntrassen und Autobahnen zu
entschärfen, vor allem dort, wo sie rechts und links eingezäunt sind.“
Grünbrücken sind für Helmut Donath ein geeignetes Mittel, wenn sie in
den potentiellen Wanderkorridoren liegen und ihr Vor- und Hinterland
auch so gestaltet wird, dass die wandernden Arten effektiv gelenkt
werden.
Vor drei Jahren ist im Spreewald ein Elch vom Schulbus angefahren worden und vor einigen Monaten legte auf der A 13 ein wandernder Elch den Verkehr lahm. Da die Wanderungen von Elchen zunehmen werden, sollten Wildbrücken oder Wilddurchlässe gleich auf deren Bedürfnisse ausgelegt werden, meint Donath. „Der Elch wäre das größte Tier, das auf solche Durchlässe angewiesen wäre.“ Da solche Bauwerke viel Geld kosten, muss sehr gut überlegt werden, wo man sie errichten sollte. Zwei- oder gar dreispurige Autobahnen haben hier sicher Vorrang vor Landesstraßen, auch wenn solche Straßen wie die von Zinnitz nach Schlabendorf durch Wildwechsel mitunter sehr gefährlich sind. Bieten vorhandene aber für den einstigen Zweck nicht mehr gebrauchte Bauwerke wie die alte Grubenausfahrt aus dem ehemaligen Braunkohlentagebau Schlabendorf Süd, die unter dieser Landesstraße hindurch führt, die Möglichkeit, hier eine dauerhafte Lösung zu erreichen, sollte man handeln. Allerdings wird der Naturschutz allein die nötigen Ressourcen nicht aufbringen können.
„Unsere normale Kulturlandschaft“, so Donath, „ist als Wanderweg noch
relativ gut passierbar.“ Aber es kann auch richtig schwierig werden,
200 Meter zu überwinden, wie das Beispiel der Rothirsche belegt, von
denen am Ende des Gespräches kurz die Rede war.
Die beiden gefluteten
Tagebaurestlöcher Lichtenauer und Schönfelder See liegen keine 300
Meter auseinander. Zwischen ihnen verläuft die Bundesautobahn A 13,
flankiert nicht nur von Zäunen, sondern auch von zwei kleineren
Landstraßen. Auf beiden Seiten haben Rothirsche ihr Einstandsgebiet.
Die können sich hören und riechen, kommen aber nicht zueinander.
Kontakt:
Naturpark Niederlausitzer Landrücken
Alte Luckauer Str. 1,
15926 Luckau, OT Fürstlich Drehna
www.mluv.brandenburg.de/cms/detail.php/lbm1.c.323691.de
Ein Nachsatz: Der Naturpark Niederlausitzer Landrücken soll weitgehend das Kernland des slawischen Stammes der Lusitzi umfassen, der sich nach der Völkerwanderung um 800 nach Christus hier auf dem Endmoränenbogen westlich des Spreewaldes ansiedelte. Es mag weit hergeholt erscheinen, aber dieser Seitenblick in die Geschichte zeigt, dass Wanderungen von einem Lebensraum in einen anderen auch den Menschen nicht fremd sind – wenngleich die Gründe für ihre Wanderbewegung ungleich komplexer gewesen sein dürften.