Der 1999 gegründete Naturpark Nuthe-Nieplitz liegt zu großen Teilen
im Untersuchungsgebiet für den Ökologischen Korridor Südbrandenburg.
Eingeschlossen zwischen zwei Bundesautobahnen – der als Berliner Ring
bekannten A 10 im Norden und der A9 von Berlin nach München im Westen –
sowie der ebenfalls viel befahrenen Bundesstraße 101 nebst der
Regionalbahntrasse Berlin-Wittenberg im Osten, verbindet er vier sehr
unterschiedliche Formen der Landnutzung: Zuerst das Wohnen, das im sehr
stark urban geprägte Bereich nahe Berlin dominiert. Zweitens eine
intensive Landwirtschaft, deren Markenzeichen der Beelitzer Spargel
ist. Drittens eine extensive Landnutzung mit ihren Streuobstwiesen und
einer schonenden Weidewirtschaft mit Mutterkuhhaltung in den Wiesen der
Flussniederungen von Nuthe und Nieplitz, die dem Naturpark seinen Namen
gaben. Und viertens die wenig gesteuerte Naturentwicklung, die auf dem
mehrere Tausend Hektar große Wildnisareal auf Teilen des ehemaligen
Truppenübungsplatzes Jüterbog West, dem heutigen Naturschutzgebiet
Forst Zinna-Jüterog-Keilberg stattfindet - einem ganz besonderem
Highlight mit Binnendünen, Trockenrasen, Heiden, Zwischenmooren und dem
letzten unverbaut frei mäandrierenden Abschnitt der Nuthe. Diese
Wildnis ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für den Naturpark
Nuthe-Nieplitz.
Vielen fällt gar nicht mehr auf, woran sie hier vorbeirauschen. „Eine super Landschaft von hoher Vielfalt, die Zeit braucht. Große Action gibt es hier nicht, eher was für Menschen die mal abschalten, wieder zu sich selber finden wollen. Und das machen viele immer häufiger.“ Darauf ist Naturparkleiter Hubertus Meckelmann – der als Forstwirt, Verwaltungswissenschaftler, Naturschützer und Jäger bestens für die Anforderungen dieser vielfältigen Landschaft gerüstet ist – stolz. Für ihn ist die Entwicklung des Naturparks ein wesentliches Element der Regionalentwicklung, gerade weil man sich so intensiv um den Naturschutz kümmern kann, die Chance hat, Landwirte zu beraten oder wie mit der Broschüre „Marktplatz Naturkost“ die Vermarktung regionaler Produkte zu fördern. Die Schönheiten der Natur nachhaltig in Wert zu setzen, ist das Ziel, für das Meckelmann Kooperationspartner in der Landschaft gefunden hat und beharrlich weiter sucht. „Kommunikation, Kooperation und Partizipation“ – dazwischen spielt sich alles ab, wenn man Natur erhalten und die Menschen an sie heranführen will, da ist sich der Naturparkleiter sicher.
„Ein Ökologischer Korridor von Polen bis hinüber nach Sachsen-Anhalt
würde den Naturhaushalt hier im Naturpark wie in der ganzen Region
aufwerten“, so Meckelmann. Gelingt es, die Durchlässigkeit der intensiv
genutzten Kulturlandschaft zu verbessern, könnten Tierarten wie der
Rothirsch oder der Fischotter wieder wandern. Der Fischotter, den auch
Meckelmann bisher nur zwei Mal in seinem Leben in freier Wildbahn
gesehen hat, kommt meist nur bis zur Bundesstraße 101, viele der Tiere
werden dort tot gefahren. Der Biber hat es bisher nur bis Potsdam
geschafft, sitzt dort an der Nuthe mitten in der Stadt aber in die
Nuthe-Nieplitz Niederung ist er noch nicht vorgedrungen. Warum die
Tiere, die fast ausgestorben waren aber heute wieder weit verbreitet
sind, den kurzen Weg in den Naturpark nicht schaffen, darüber
diskutieren Meckelmann und andere Naturschützer schon lange. Nach wie
vor ist unklar, wo die Barriere für Meister Bockert ist. 
Die Probleme zum Beispiel mit der Landwirtschaft, die mit der Rückkehr des Bibers auftreten könnten, wenn deren Flächen vernässen und die Melioration beeinträchtigt wird, wischt Meckelmann nicht vom Tisch. Das ist nicht so einfach wie das Auswildern von Bachforellen in der renaturierten Nuthe, gegen die niemand etwas hat, meint Meckelmann. Sollte der Wolf wieder einwandern, wird das auch nicht ohne Konflikte abgehen. Die Wolfsrüden, die bereits jetzt vereinzelt durch die Landschaft wandern, sind so scheu, die sieht niemand. Sollte sich aber eine stabile Population ansiedeln, dann braucht sie Ruhe und Futter. Ruhe, das heißt, die Wölfe dürfen keine unmittelbare Gefahr spüren. „Der schleichende Jäger - wenn sie den sehen, dann sind sie weg. Wölfe haben nicht die Erfahrung gemacht, dass vom Menschen keine Gefahr ausgeht.“ Der Jäger Meckelmann weiß, wovon er spricht.
Wie eine Wolfspopulation in der Kulturlandschaft zu managen ist, ob ein großes ruhiges Kerngebiet wie zum Beispiel das Wildnisareal im Naturpark ausreicht, ob es eine Pufferzone braucht – da gibt es keine Patentrezepte. Damit die Wölfe Beute machen können, muss die Jagd in der Region auf das Minimum reduziert werden, welches für die Landwirtschaft verträglich ist. Wird die Jagd von großen Waldbesitzern eher als Hege von Wildbeständen angesehen, ist der Konflikt programmiert, wenn der Wolf daherkommt. Man weiß doch, was ein Wolf frisst, das sind erstaunliche Zahlen. Wenn dann noch Muffelwild gehegt wird – „das geht flöten“, da ist sich Meckelmann sicher, „der Wert ist futsch. Die werden schon allein deshalb vom Wolf aufgefressen, weil das Muffelwild den Wolf nicht kennt. Ohne ein spezielles Wolfsmonitoring gemeinsam mit den großen Waldbesitzern wird eine Zukunft des Wolfes in dieser Region also nicht zu machen sein.
Welche Probleme auch auftreten werden, Meckelmann hält sie alle für
lösbar, sofern der Ökologische Korridor nicht nur den Tieren nutzt,
sondern auch die Menschen miteinander verknüpft. Wenn es gelingen soll
Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in die Landschaft wie den Bau von
Straßen, Windparks oder Gewerbegebieten zusammenzulegen, um Barrieren
wie die A 9 oder die B 101 durch Grünbrücken oder Tunnel zu überwinden,
sind auch verbundene Menschen vonnöten. Dass Grünbrücken oder
Wilddurchlässe auch helfen, die Straßen sicherer zu machen, ist ein
wichtiges Argument für den Korridor, findet Meckelmann, der schon oft
mit seinem Auto auf der Straße hat stehen bleiben müssen, weil gerade
Dammwild darüber gezogen ist.
Für engagierten Naturschützer ist es ebenso wichtig, dass auch all jene in das Projekt Ökologischer Korridor eingebunden werden, die sich ehrenamtlich für den Naturschutz engagieren. „Ihr werdet gebraucht! Das muss man ihnen zeigen.“ Die Stimmung in der Region für ein solches Projekt wäre gut, meint der Naturparkleiter mit Blick auf die Erfahrungen, die er im Rahmen der Arbeiten für einen kleinräumigeren Biotopverbund für den Naturpark gemacht hat. Neben Otter, Rothirsch und Kranich hatte man mit einer Orchideenart auch eine Pflanze und mit der Fledermaus nicht unbedingt einen Publikumsliebling als Leitarten gewählt. Dennoch war das Projekt ein voller Erfolg und wurde 2002 auf einem Bundeswettbewerb der Naturparke mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Eben weil man nicht irgendetwas über die Flächen gestülpt hat, sondern gezielt die Ehrenamtlichen, zum Beispiel jene vom Fledermausschutz, einbezogen hat. Heute sind die Flüsse im Naturpark weitgehend barrierefrei; Staue wurden durch Solschwellen ersetzt, viele Straßen mit Krötentunneln oder Amphibiendurchlässen versehen, Seen sind wieder entstanden, die wegmelioriert worden waren. Wenn es gelingt, die kleinräumigen Biotopverbundsysteme mit dem großräumigen zu verknüpfen, dann hätte sich alles doppelt gelohnt. „Biotopverbund macht Spaß!“, diese Erfahrung ist dem Naturparkleiter und Regionalentwickler wichtig.
„Ich stelle mir das aufregend und spannend vor, wenn der Ökologische
Korridor die Landschaften quer durch Südbrandenburg verbindet. Das
Projekt muss die Politik erreichen!“ Sie sollte für Privatleute Anreize
schaffen oder Fördermittel bereitstellen, damit auch sie auf ihren
Flächen den Korridor unterstützen. Mensch, ich bin im Korridor! Es wäre
sehr viel gewonnen, so Meckelmann, wenn man diesen Satz von Landwirten
oder Waldbesitzern hören könnte.
Kontakt:
Hubertus Meckelmann
Naturpark Nuthe-Nieplitz
OT Dobbrikow
Beelitzer Straße 24
14947 Nuthe Urstromtal