Lang und schmal ist der Naturpark Schlaubetal, der nahe der Oder im Osten des Ökologischen Korridors Südbrandenburgs liegt. Er erstreckt sich vom Pastlingssee, die Tauerschen Eichen und die Reicherskreuzer Heide im Süden über das Tal der Schlaube bis nach Müllrose im Norden. Hier mündet die Schlaube als Wiesenbach in den Müllroser See. Entlang des kleinen Dorchetals reicht der Naturpark östlich bis an Neuzelle heran, dessen Kloster mit der Stiftskirche St. Marien nicht nur ein herausragendes Baudenkmal ist: Über Jahrhunderte gaben die Zisterziensermönche der Landnutzung östlich der Schlaube entscheidende Impulse - westlich des kleinen Gewässers waren es die Mönche des Johanniterordens in Friedland.
Neben den Offenlandbereichen der Heiden auf den ärmeren Standorten sind es vor allem die umwaldeten Seen in den Schmelzwasserrinnen der letzten Eiszeit und die kleinen Fließgewässer, die sich im nördlichen Teil des Naturparks in die Grundmoränen eingekerbt haben, die der Landschaft einen besonderen Reiz verleihen. Klein, fein und von hoher Vielfalt, so beschreibt Wolfgang Renner das Schutzgebiet. „Die Schlaube, die Dorche und die Oelse; diese Täler sind einmalig in Brandenburg. Dazu die begleitenden Wiesen, die Seen und die vielen Moore mit ihren Orchideenstandorten, die Laubmischwälder an den Hängen… Als Gegenpol die Heide und die Kiefern-Eichen-Wälder auf den trockenen Böden.“
Für Renner, seines Zeichens Biologe, ist die Entwicklung des Naturparks eine Erfolgsgeschichte. Zwei Schäfer pflegen mit ihren Herden die Heide. Zahlreiche Wanderwege erschließen die Kulturlandschaft. Die noch existierenden Mühlen oder auch nur die alten Mühlteiche an den Bächen, in denen Fischotter und Eisvögel einen optimalen Lebensraum gefunden haben, sind beliebte Ausflugsziele. Das Zusammenspiel zwischen Naturschutz und Tourismus in der Kulturlandschaft soll mit einem noch einzurichtenden Informationszentrum komplettiert werden.

Auf den ersten Blick erscheint das Schlaubetal als eine intakte Natur- und Kulturlandschaft.
Aber der Schein trügt: Der Landschaft im Naturpark fehlt Wasser! Mit der Renaturierung einzelner Moore, an der im Naturpark erfolgreich gearbeitet wird, sei das Problem allein nicht zu lösen, so der Naturparkleiter. „Viele Gewässer sind beeinträchtigt. Einzelne sind nicht über lange Zeit in einem natürlichen Prozess verlandet, sie sind regelrecht ausgetrocknet.“ Den Grund dafür sieht Renner in der Melioration, mit der die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen vergrößert wurden. Die intensivsten Eingriffe erfolgten in den 60er und 70er Jahren in der DDR zu zeiten der sogenannten Komplexmelioration. In wenigen Jahrzehnten sei der Grundwasserspiegel um bis zu 1,5 m gefallen.
Ein Gutachten zur Grundwasserproblematik soll nun Strategien erarbeiten, wie diesem Trend zu begegnen ist. „Das Gutachten soll uns zeigen, wo zum Beispiel Staue gesetzt werden müssen und Gräben verplombt werden können, um den Wasserrückhalt in der Landschaft zu verbessern.“
Vor diesem Hintergrund wäre die Hilfe des Bibers als Wasserbauer wohl willkommen. Bisher ist er aber erst in Neuzelle nachgewiesen. Er wüsste aber auch keine künstlichen Barrieren im Naturpark, so Renner, die eine Einwanderung verhinderten und abgebaut werden müssten. Nach Süden hin zum Spreewald sei die Heide die Barriere, aber eine natürliche eben - für den Otter zum Beispiel, der über die kleinen Fließgewässer in Richtung Spree wandern muss, um weiter in andere Landschaften zu kommen. „Der Biber läuft auch mal durch den trockenen Kiefernstangenforst, um sich einen neuen Lebensraum zu suchen. Dabei wurde er von den Förstern aus Lieberose schon beobachtet.“ Es scheint, dass der Biber ohne die Unterstützung durch das Projekt Ökologischer Korridor Südbrandenburg das Schlaubetal wird erobern können.
Wie solch ein Großprojekt wie der ökologische Korridor effektiv und mit den Landnutzern
gemeinsam umgesetzt werden könne, das ist für Renner die zentrale Frage. Nicht nur, weil schnell Befürchtungen in der Bevölkerung aufkämen, dass hier neue Einschränkungen etabliert werden, was die breite Naturschutzarbeit erschwere. Solche oft unbegründeten Befürchtungen müssen mit guten Argumenten ausgeräumt werden, wolle man mit den Wildkorridoren Erfolg haben. „Das Projekt ist fachlich gut begründet. Wanderhilfen wie zum Beispiel Grünbrücken an gezäunten Autobahnen sind nachgewiesener Maßen wichtig. Aber wenn Wolf und Elch in der Landschaft ankommen – und sowohl ein Elch bei Byhleguhre als auch Wölfe in der Lieberoser Heide sind nachgewiesen worden – ist es entscheidend, wie die Tiere aufgenommen werden“, so Renner. Früher habe man den Wolf in der Regel einfach abgeschossen. Heute geschehe dies kaum mehr. Dennoch gebe es Ängste und Vorbehalte gegen die Raubtiere. 
Der Bau neuer oder die Verbesserung bzw. Aufwertung vorhandener Querungshilfen für Wildtiere muss durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit, fachliche Aufklärung und naturkundliche Bildung vor Ort begleitet werden. Ein fachlich gut abgestimmtes Monitoring, das sei für den Projektzusammenhang ökologischer Korridor wichtig. „Es muss transparent werden, was solche Korridore wirklich bringen, welche Effekte sie für die Entwicklung der Wildtierpopulationen haben“, so Renner. „Und es muss langfristig gedacht und immer wieder danach gefragt werden, ob das Geld für Querungshilfen an den richtigen Orten in der Landschaft ausgegeben wird.“
Jenseits der prominenten Arten wie Rothirsch, Wolf und Co. gibt es aber viele kleine, unscheinbare Arten wie Libellen und Schmetterlinge. Es kämen immer wieder Arten aus dem Süden an, so Renner. „Über Mail werden uns immer häufiger Erstfunde von eher südlicher lebenden Libellenarten in unseren nördlichen Breiten gemeldet. Wir haben es also mit zwei Bewegungen zu tun: den Wanderungen von Ost nach West und von Süd nach Nord.“ Und auf beide, auf die Wanderungen der großen Säugetiere wie auf die der unscheinbareren Arten, sollte man achten, meint der Naturparkleiter.
Welchen Arten der aufmerksame Besucher nun auf seinen Wanderungen im Schlaubetal begegnet, den großen oder den kleinen, ein Ausflug an die Schlaube lohnt immer.
Kontakt:
Naturpark Schlaubetal
Wirchensee
15898 Neuzelle, OT Treppeln
Tel.: 033 673/ 422
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www.mluv.brandenburg.de/cms/detail.php/lbm1.c.323693.de