Eine ganze Reihe von unterschiedlichen Barrieren wie stark befahrene Straßen, Schienenwege oder Uferverbauungen zerschneiden die Lebensräume wild lebender Tiere. Sie erschweren bzw. verhindern nicht nur das Wechseln der Standorte innerhalb eines Reviers sondern auch größere Wanderungsbewegungen. Für die Planungen des ökologischen Korridors durch den Süden Brandenburgs ist daher die Analyse von Daten zur technischen Infrastruktur (Schienennetz mit Frequenz Personenverkehrszüge, Straßennetz einschließlich vorhandener Bauwerke und Durchlässe, Lärmkartierung an Straßen) sowie zu Wildunfällen an Straßen unerlässlich.
Anschließend sollte die Situation aus Sicht der Zielarten entlang der Bahnstrecken erfasst werden. Hierzu wurden so genannte "Berührungspunkte" (BP) in einem Radius von 1,5 km eingekreist. Als „Berührungspunkte“ gelten solche Bahnstreckenabschnitte, die innerhalb des Korridors Wald liegen und mindestens auf einer Seite der Bahnstrecke von Wald gesäumt sind, also von einem für die Zielarten geeignetem Lebensraum.
In einem weiteren Schritt wurden ausgewählte Berührungspunkte (drei Hauptverkehrsstrecken und eine stillgelegte Strecke) näher untersucht. Nach der Erfassung von Standort, Personenverkehrs-Zugfrequenz und Schutzgebieten erfolgte eine Bestandsaufnahme vor Ort mit tabellarischer und photographischer Dokumentation. Schwerpunkte hierbei waren die Barrierewirkung der Bahnstrecke, die Einbindung der Bahnstrecke in den Raum sowie vorhandene bzw. potenziell geeignete Querungshilfen.
Die Abbildung zeigt das Streckennetz der Deutschen Bahn
AG mit Nutzung sowie die Berührungspunkte innerhalb des Korridors Wald.

Die Straßeninformationsbank (SIB) des Landesbetriebes Straßenwesen
Brandenburg mit Angaben zu sämtlichen Bauwerken und Durchlässen an
Bundes-, Landes- und Kreisstraßen bildet eine wichtige
Planungsgrundlage zur Beurteilung der Durchgängigkeit der Landschaft
für Wildtiere. Sie wurde projektspezifisch ausgewertet. Im erweiterten
Suchraum sind allein 3.707 Durchlässe erfasst, wovon jedoch nur ein
Teil als Querungshilfe für Wildtiere nutzbar ist. Es wurde ein
Bewertungsschlüssel entwickelt, um die potentielle Eignung dieser Über-
und Unterführungen als Querungshilfen für Tiere zu erfassen und im
Eignungsfall die notwendigen Aufwertungsmaßnahmen fest zu legen, die
eine Wildtierpassage erleichtern. Auf der Grundlage dieser Analyse
können mit den Eigentümern der Bauwerke gezielte Gespräche geführt
werden.

Die Kenntnis von Wildunfällen und Wildunfallschwerpunkten kann Hinweise auf Fernwechsel, Wanderbewegungen und vor allem auf notwendige Querungshilfen geben. Daher wurden auch in dieser Richtung Datenanalysen vorgenommen. Eine konkrete Ursachenforschung ist jedoch schwierig, da Wildunfälle von zahlreichen weiteren Faktoren wie zum Beispiel Bestandsdichte, Lebensraumausstattung, Jahres- und Tageszeit, Verkehrsaufkommen und Fahrverhalten abhängen.
Für das Projekt
Ökologischer Korridor Südbrandenburg wurden zur Erfassung von
Wildunfällen alle zuständigen Schutzbereiche der Polizei sowie die
Polizeipräsidien abgefragt. Das aufbereitete Ergebnis in Kombination
mit den erfassten Unterführungen zeigt die folgende Abbildung. Die
bisher vorliegenden Daten werden um die derzeit vom Landesjagdverband
Brandenburg in Arbeit befindliche Wildunfallkarte ergänzt werden.